Donnerstag, 20. April 2017

Fleisch oder kein Fleisch - eine Frage der Bedürfnisse


Le Celle, 31.03.2017

In diesem Beitrag geht es darum zu zeigen, dass FLEISCH oder KEIN FLEISCH nichts damit zu tun, ob wir "gute" oder "schlechte" Menschen sind, sondern damit, welche Bedürfnisse wir haben.

PS: Ausser dem Foto zu Beginn des Artikels werde ich heute keine weiteren Fotos posten.


Abraham H. Maslow war einer der wichtigsten Vertreter der Humanistischen Psychologie. Seine Bedürfnispyramide zeigt, dass das menschliche Handeln von Bedürfnissen geleitet wird. Maslow geht davon aus, 
dass die Bedürfnisse einer „tieferen“ Stufe erst weitgehend befriedigt sein müssen, bevor die Befriedigung der „höheren“ Bedürfnisse angestrebt wird. 

Das sind die Stufen der Bedürfnispyramide:

Stufe 1: Körperliche Grundbedürfnisse
Stufe 2: Sicherheit

Stufe 3: Soziale Beziehungen
Stufe 4: Soziale Anerkennung
Stufe 5: Selbstverwirklichung


Der Stufe 5 liegt als einziger eine geistige Zielsetzung zugrunde. Erst diese ermöglicht die eigentliche befriedigende Selbstverwirklichung.

Selbstverwirklichung nach Maslow bedeutet, dass wir mit dem eigenen Geist in kritische Distanz zu unseren Überzeugungen, Gewissheiten, Glaubenssätzen und kulturellen Prägungen gehen. Dies ist nur dann möglich, wenn die Bedürfnisse der Stufen 1 bis 4 befriedigt sind.

Die Stufe 5 hat folglich mit Individualität zu tun, also u.a. mit der Beschäftigung mit Philosophie und Glauben, d.h. mit Transzendenz, Welterklärung und "obersten Prinzipien".

Wer im Zusammenhang mit Selbstverwirklichung kein Fleisch und/oder fast oder gar keine anderen tierlichen Produkte isst, tut dies also, weil, wenn er/sie das nicht täte, die eigene Welterklärung in sich nicht logisch wäre und die eigenen "obersten Prinzipien" verraten würden.

Die Meinung ist dann vielleicht die: Fleischessen korrespondiert nicht mit dem Streben nach dem Wahren, Guten und Schönen.

In "christlichen" Worten: Tiere sind als Geschöpfe Gottes unsere Brüder und Schwestern.

In "sozialistischen" Worten: Die Ausbeutung von Mensch und Tier hat die gleiche Ursache.


Der Vegetarimus/Veganismus kann folglich mit dem Bedürfnis "Selbstverwirklichung" im Zusammenhang stehen.
Fleischessen ist mit Philosophie und Glauben, d.h. mit Transzendenz, Welterklärung und "obersten Prinzipien" nicht oder nur sehr bedingt in Verbindung zu bringen.

Ohne Zweifel gibt es Menschen - v.a. junge Menschen - die ihr Bedürfnis, sich abzugrenzen, Orientierung, Identität und moralischen Halt zu bekommen (Maslow, Stufe 2) durch einen veganen Lebenstil befriedigen. Diese versuchen oft und manchmal auch ziemlich "laut", den Veganismus unters Volk zu bringen. Und wie anders als so könnten sie in einer Zeit, in denen die Alten so unglaublich cool, tolerant und alles andere als spiessig sind, noch protestieren.

Was vor Jahren bei den Jungen die Utopie einer klassenlosen Gesellschaft (Wir waren auch "laut"), ist heute jene einer Welt ohne Gewalt, ohne Leid, ohne Tod. Beide Utopien waren/sind sich darin gleich, dass sie Sinn stifteten/stiften und quasi zum "Religionsersatz" wurden/werden.

Ich finde Utopien von klassenlosen Gesellschaften und von einer Welt ohne Gewalt, Leid und Tod etwas, was nicht Spott, Häme, Sarkasmus und kollektiven Verriss verdient. Wer eine Utopie hat, sollte nicht auf einen Kehrspänefresser reduziert werden.


Was bei den veganen Jungen oder Einsteigern durch "Andersartigkeit schafft Identität" geschieht, passiert bei den Fleischessern durch "Gewohnheit schafft Sicherheit". Auch sie befriedigen Bedürfnisse auf Stufe 2, denn Gewohnheit gibt Sicherheit. Selbstverständlich steht Moral und Orientierung in beiden Fraktionen nicht aussen vor, wohl aber die individuelle geistige Zielsetzung.

Nun ist es so:

Die Sicherheitsbedürfnisse der Stufe 2 bieten nicht nur Sicherheit, sondern sie bergen auch eine Gefahr. Die Herstellung von Sicherheit bedarf nämlich der Abgrenzung des „Wir“ von den „Anderen“. Diese Abgrenzung basiert oft auf der Herabsetzung der anderen und läuft Gefahr, in Feindseligkeiten und Feinbilder überzuschlagen. Spott, Häme, Sarkasmus, kollektiver Verriss, bewusst falsche Aussagen und Überheblichkeit prägen oft die "lauten" Diskussionen. Davon sind die Veganer genau so wenig gefeit wie die Fleischesser.


Das Thema "Fleisch, vegetarisch, vegan" ist kein kontroverses Thema. Alles spricht gegen Fleisch: Welthunger, Klima und die eigene Gesundheit. Das Thema wir leider nur kontrovers diskutiert.




Aber: Alle, die sich eigene Gedanken über "Gott und die Welt" machen, können nicht anders, als zum Schluss zu kommen, dass die Welt nur absolut ohne Gewalt und Leid eine friedliche werden wird.

Diesen Schluss machen v.a. junge Menschen. Wie sollten sie nicht? Sehen sie doch, welche kaputte Welt wir ihnen hinterlassen. 


Weil Frieden nur die Abwesenheit von Gewalt sein kann, ist es ein erster konkreter Schritt in diese (richtige) Richtung, zuerst nur noch ganz, ganz wenig Fleisch zu essen (um die Fleischsucht zu überwinden) und später gänzlich auf Fleisch zu verzichten. Es funktioniert. Bestens.

Nein. Ich missioniere nicht. Ich mache nur von meinem demokratische Recht Gebrauch, meine Meinung, die ich habe, zu vertreten. Und, wenn ich das wiederholt tue, heisst dies nur, dass mir etwas ganz besonders am Herzen liegt.


Franz von Assisi sagte: „Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens“. Auch, wenn wir nicht mehr alle wirklich an den Herrn glauben können, so können wir doch den Satz des heiligen Franziskus in die Tat umsetzen.


Dass ich an dieser Stelle auf Franz von Assisi komme, hat folgenden Grund. Er war einer der ersten, der sich dafür einsetzte, dass auch Tiere Würde haben.


Dazu mein Beitrag:

http://barbaraswelt.blogspot.it/2017/04/fleisch-oder-kein-fleisch-eine-frage.html



Mit lieben Grüssen
Barbara


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